Politische Diskussionen an Deutschlands Schulen zulassen!
…dass Schulen in unserer heutigen Zeit ein politikfreier Raum sind, ist nicht hinnehmbar. Die Schule ist verpflichtet, den Schülern die lebende Politik nahe zu bringen, denn Politik wird nicht irgendwo, von irgendwem gemacht, sondern an der Politik kann jeder ganz einfach teilhaben und mitwirken. Wie die meisten wissen, leben wir hier in Deutschland in einer Demokratie, was so viel heißt wie Volksherrschaft. Sie kann nur dann gut funktionieren, wenn sich alle aktiv am politischen Geschehen beteiligen, wählen gehen und auch mal darüber reden. Zur Zeit ist ja eher eine Tendenz, dass die breite Masse immer weniger aktiv ihre Möglichkeiten in der politischen Mitbestimmung wahrnimmt…
Nun werden sich wohl einige denken, dass es ja Politische Bildung (PB) als Unterrichtsfach gibt und das ist auf jeden Fall auch richtig so. In PB wird allerdings nur die Theorie vermittelt. Beispielsweise sind im Rahmenplan von Brandenburg enthalten: die politischen Organe, der Gesetzgebungsprozess, die Merkmale der Demokratie und was es denn so für Parteien gibt. Die derzeit stärksten Parteien sind die im Bundestag vertretenden CDU/CSU, SPD, FDP, Die.Linke, B’90 – Die Grünen. Okay, diese Parteien kennen die meisten schon einmal, aber wie äußern sich die Parteien zu aktuellen Themen? Wie gehen sie an Themen heran? Sind ihre Argumente wirklich Argumente? Auf diese Fragen bekommt man in PB nur Antworten, wenn sich der einzelne Lehrer bewusst an dieser Stelle engagiert. Viele von uns werden die Erfahrung gemacht haben, dass dies eher die Ausnahme ist. Ein Gegenstand des Unterrichts im Fach PB ist in Brandenburg „Die soziale Wirklichkeit“; bei mir an der Schule behandelten wir zu diesem Thema dann z.B. die Lehren Sigmund Freuds. Glaubt da wirklich jemand, durch das Besprechen von Sigmund Freuds Lehren entsteht bei uns Jugendlichen das Interesse an Politik?
Aus zahlreichen Schulhofkonversationen ergibt sich für mich das Bild, für viele ist allein der Name ausschlaggebend. Zum Beispiel: „Ich bin gegen Rechts, also wähle ich Links.“ Das ist m.E. der fatale Fehler. Parteien beschäftigen sich im Allgemeinen mit allen Themenbereichen, wobei sie natürlich ihre Schwerpunkte setzen und Leitlinien haben. Man darf jedoch nicht davon ausgehen, dass die Partei, die ein Gebiet als Schwerpunkt besonders belegt, auch wirklich die geeigneten Lösungen hat.
Um nun konkret zeigen zu können, wie sich die einzelnen Parteien sich mit Themen beschäftigen, sind Diskussionen mit Vertretern der Parteien oder Jugendorganisationen an den Schulen notwendig. Mit liberaler Sicht denke ich, dass auch extremistische Parteien nicht von diesen Diskussionen ausgeschlossen werden dürfen. Die öffentliche Diskussion an Schulen würde es ermöglichen, die publizistischen Äußerungen rechtsextremer und linksextremer Parteien aufzudecken und zu zeigen, was wirklich dahintersteckt. Es braucht sich niemand zu wundern, dass immer mehr Jugendliche zu extremistischen Parteien gehen, da sie Opfer der Parolen werden und von Seiten der Schule, den demokratischen Parteien und auch vom Staat neben allgemeinen Berichten wenig in die Hand bekommen, für sich selbst überzeugende Gegenargumente zu finden. Sind Diskussionen mit Parteien / über Parteien an Schulen zugelassen, werden Jugendliche von ganz alleine Fragen stellen, Interesse zeigen und sehen, dass es viel mehr Themen gibt, als durch die großen Medien publiziert werden. Dies war gut zu sehen bei der demokratifan.de-Veranstaltung des Brandenburger Landesverbandes der JuLis in Cottbus.
Wichtig ist, dass solche Diskussionen regelmäßig entfacht werden, damit die politische Diskussion unter den Schülern normal wird. Wichtig ist, dass solche Diskussionen auch im Rahmen der Schule, im Rahmen von Unterricht stattfinden können, damit politische Diskussion unter den Schülern normal wird. Wichtig ist, dass diese politischen Diskussionen auch mit Vertretern aus politischen Verbänden an Deutschlands Schulen zugelassen werden.